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Presse

Kultur in stürmischen Zeiten – oder: Wie lang ist der Schatten des Leuchtturms?

01.01.03

Die Kultur im Lande hat es nicht leicht. Gerade noch hat der neugewählte Bundeskanzler – mal wieder – per Machtwort verhindert, was einem weiteren Kahlschlagversuch in und an der Kultur gleichgekommen wäre:

während die erste rot-grüne Bundesregierung u.a. stolz war, das Stiftungsrecht novelliert zu haben und so Firmen und Wohlhabende in unserem Land zu weiterem großzügigem Stifter- und Spendertum mit Steuererleichterungen animieren wollte, schlug der alte und neue „eiserne Hans“ gleich wieder gnadenlos sparen wollend zu:

Der Bundesfinanzminister Hans Eichel wollte diese für sozial-caritative, sportliche oder kulturelle Einrichtungen so wirkungsvolle Entscheidung per Steuerbescheid zurückführen, hätte 2003 runde 150 Mio Euro mehr im leeren Staatssäckel verbucht und damit der freiwilligen Großzügigkeit den Steuerriegel wieder vorgeschoben. Nun, es kommt so nicht und allen, die dem Steuermann Schröder dabei richtig zugesprochen haben, sei hiermit gedankt.

Und wir, hier in NRW? Wir haben die RuhrTriennale, 1. Akt, erlebt, soweit wir uns auf Zechen und in Gebläsehallen im Ruhrgebiet blicken ließen, ein Feuerwerk der anspruchsvollen Bühnen- und Gestaltungskünste und mit Recht darf schon gesagt werden, dass mit dem Gründungsintendanten Dr. Gerard Mortier ein spiritus rector gefunden wurde, der diesem Auftakt Geist und Macht verlieh. Viele rühmten nicht alles, manche mochten beinahe nichts und wieder andere fanden vieles höchst sehens- und erlebenswert. Allemal Gründe genug, weiter zu machen, der Kultur in unserem Lande auch auf diese Weise strahlenden Ausdruck zu verleihen, weit über die Grenzen NRWs hinaus. Das ist und bleibt gut so und richtig.

Aber es gibt auch sonst noch sehr viel zu erleben und zu entdecken in unserem Land und viele der 18 Millionen Mitbürgerinnen und Mitbürger wissen dies und wissen es auch zu schätzen. Von den Museen der Landschaftsverbände über die Routen der Industriekultur, von den 26 kommunalen Theatern über die hunderte von Museen und Bibliotheken bis zu der lebendigen freien Kinder- und Jugendtheaterszene in NRW, von den Euroga-2002-Gärten am Niederrhein bis zur Schloss-Baukultur in OWL, von den vielfältigen und reichhaltigen regionalen und kommunalen Kulturangeboten in einer Breite und Dichte, wie es sie auf der ganzen Welt kaum ein zweites Mal geben dürfte, sieht man von den Megametropolen auf unserem Planeten einmal kurz ab.

So viele Kultureinrichtungen wie in NRW gibt es wenige in einer Region und darauf dürfen die Menschen hier in Nordrhein-Westfalen stolz sein. Kultur schafft Identität, verbindet Mensch und Umwelt, nährt Geist und – wenn die regionale Küche es hergibt, was meistens der Fall ist – auch den Bauch.

Aber aus diesem Meer der kulturellen Vielfalt ragen nun einige Leuchttürme hervor und werfen langes neugierig machendes Licht – aber auch, so kritisieren viele, lange, dunkle Schatten immer dort, wo gerade kein Strahl hinleuchtet. So empfinden es zur Zeit viele, die vor Ort Kulturarbeit leisten, Institute leiten und als Dezernenten und Leiterinnen für die Kultur verantwortlich sind. Sie spüren den immensen Druck der leeren öffentlichen Kassen, weil Kulturausgaben leider (!) immer noch keine Pflichtausgaben sind, sondern nur „freiwillig“ gezahlt werden, solange noch was da ist. Je weniger da ist, desto erbitterter der Verteilungskampf und bevor ein Parkplatz nicht gebaut, oder eine Umgehungsstraße nicht errichtet ist, wird allemal bereits eine Stadtteilbibliothek geschlossen oder ein Schwimmbad oder eine Kleinkunstbühne.

„Kultur ist Lebenselixier“ heißt es im grünen Grundsatzprogramm und wenn das wahr ist, dann darf auch in stürmischen Zeiten die Bedeutung von Kunst und Kultur für die Menschen und ihr Zusammenleben nicht verkannt werden, dann müssen harte Einschnitte ins ohnehin nicht prall gefüllte Kultursäckel zwingend vermieden werden, dann muss – wenn es nicht anders geht, der zu lang werdende Schatten des Leuchtturms gekürzt werden, in dem man die knappen vorhandenen Mittel neu gruppiert und manches Konzept gemeinsam und konstruktiv überdenkt.

Denn Aufgabe der Landeskulturpolitik ist sicher auch, die rege und animierende kulturelle Vielfalt im Lande zu wahren, die vereinbarte Allianz der Kreativität weiter zu schmieden und wo möglich innovative Konzepte und kulturelle Leuchttürme zu fördern. Achtung: das Licht dieser Türme muss aber auf vitale Projekte aller Art auch künftig fallen, damit die Basis, welche die Spitze trägt, nicht unter den tosenden Sparstürmen wegbricht. Dafür tragen viele in unserem Land Verantwortung. Nicht trotzköpfig, sondern gemeinsam.

Von: Oliver Keymis

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