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Presse

Kultur braucht mehr Gewicht - Presseerklärung

26.07.01

Zu der Erklärung des Bundes der Steuerzahler NRW e.V. vom 26. Juli 2001 unter dem Titel „Der Steuerzahler zahlt den Eintritt“ und der darin erhobenen Forderung, die „Zuschüsse für öffentliche Bühnen zu begrenzen“, erklärt der Kulturpolitische Sprecher der GRÜNEN im NRW-Landtag, Oliver Keymis, MdL:

KULTUR BRAUCHT MEHR GEWICHT – NICHT WENIGER !


Die Zahlenakrobatik des Steuerzahlerbundes zur Bezuschussung der Theater in NRW ist dumm, kulturfeindlich und greift kaltschnäuzig in die Vorurteilskiste. Denn dass jeder Theaterbesucher „rein rechnerisch“ vom Steuerzahler zwischen 125,- DM und 701,- DM „erhält“ ist zwar statistisch errechenbar, aber nicht aussagekräftig. Oder genauso aussagekräftig wie folgende Rechnung: FĂĽr rund 80 Mio. Einwohner der Bundesrepublik Deutschland geben wir rund 15 Mrd. DM fĂĽr Kunst und Kultur aus: pro Kopf der Bevölkerung sind dies 187,50 DM. Der Verteidigungshaushalt kostet rund 50 Mrd. DM pro Jahr. Das sind pro Kopf der Bevölkerung dieser Republik  625,- DM pro Jahr.

Das Land der Dichter und Denker gibt also für seinen militärischen Schutz drei Mal so viel Geld aus wie für sein geistig-kulturelles Leben. Daraus könnte man jetzt mit der gleichen Dummheit irgendwelche dreisten Einsparforderungen stellen, aber niemand, der ernstzunehmender Weise sich mit diesen Fragen befasst, zieht solche vielleicht hitzebedingten Kurz-Schlüsse!

Kunst und Kultur sind überlebensnotwendig, sind Grundlage für unsere Zivilisation, die allgemeine Bildung und damit auch für die ökonomisch immer bedeutsamer werdende Wissensgesellschaft. Wir brauchen die Theater, Museen, Bibliotheken, Konzerthäuser und zwar private wie öffentliche, städtische und staatliche Einrichtungen überall in unserem Land. Millionen von Touristen reisen in unser schönes Land, weil sie auf den Spuren von Beethoven und Beuys, Brecht und Schiller, Goethe, Klee und Stockhausen wandeln wollen.

Konstruktive Kritik ist immer wünschenswert. Verbesserungen sind auch an den Theatern immer möglich. Aber die insgesamt stagnierenden Ausgaben für unsere Bühnen auch noch zu drosseln, wie es jetzt der NRW-Steuerzahlerbund fordert, ginge ans Eingemachte. Und da Theaterbesucher auch Steuerzahler sind, ist politisch genau das Gegenteil von dem erforderlich, was der Steuerzahlerbund fordert: Wir müssen die Zuschüsse für Kunst und Kultur wieder der allgemeinen Preis- und Teuerungsrate anpassen, damit auch in diesen Betrieben wieder realistisch kalkuliert und das gute Angebot noch attraktiver gestaltet werden kann.

Kultur braucht mehr Gewicht, nicht weniger. Ansonsten macht sich dieses kulturlose Denken immer breiter, welches der Steuerzahlerbund, tĂĽckisch versteckt hinter nĂĽchtern wirkenden Statistiken, hier leider preisgibt: Kunst und Kultur seien Zuschussbetriebe wie notleidende Wirtschaftsbranchen. Dies ist falsch. Richtig ist  Richard von Weizsäckers Feststellung aus dem Jahre 1987: „Kultur ist das eigentliche Leben. Sie liegt der Politik und Wirtschaft, dem Lokalen und dem Feuilleton zugrunde und verbindet sie. Kultur ist kein Vorbehaltsgut fĂĽr Eingeweihte, sie ist vielmehr unser aller Lebensweise. Sie ist folglich auch die Substanz, um die es in der Politik geht.”

Von: Oliver Keymis

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